reflections

50er Jahre Nostalgie

Es gab eine Zeit, da war alles einfach überschaubarer. In den 50er Jahren war das popkulturelle Zusammenleben eben noch einfacher gestrickt. Die Mädchen versuchten so weiblich wie möglich zu wirken und die Jungs versuchten, so cool wie Fonzie zu sein. Als Frau kaufte man sich Nylons und trug die Haare zum Pferdeschwanz, als Mann eine Jeans und eine Lederjacke.
Da man natürlich noch viel zu jung ist, um zu dieser Zeit wirklich gelebt zu haben, wurde die Idee der 50er Jahre einfach zurechtgestutzt und konserviert. Das war eine gute Idee, da man die echten 50er wahrscheinlich nicht unbedingt so lustig gefunden hätte. Wenn man in den 90er so langsam erwachsen wurde, konnten sämtliche Freiheiten der Moderne genossen werden, ohne auf die nostalgische Kultur der 50s zu verzichten.

Das müssen Zeiten gewesen sein, als Jungs und Mädels noch in gleichgeschlechtlichen Gruppen auf die Pirsch gingen, ohne gleich als halbstarke Männerhorde oder gackernder Hühnerhaufen wahrgenommen zu werden. Das muss so wie ein Mallorca-Urlaub in der Teenagerzeit gewesen sein, als man mit ein paar anderen Jungs seine Strandrevier-Gang gründete und Hasen jagte, ganz klassisch im Eis-am-Stiel-Style. Man beeindruckte durch cooles Zigarettenrauchen vor den Eltern, machte Strandpartys mit dem Wanderers-Soundtrack und tanzte in kleinerem Kreis zu den Songs von Paul Anka. Fein, diese Nostalgie fanden immer noch jede Menge Mädels sonderbar und verstaubt, damals gab es auch schon Hip-Hop, Techno und Acid-House, aber jeder Verkäufer kennt auch Absagen. Was zählt ist die Gesamtstatistik und die Anzahl der Abschlüsse. Heutzutage - als Erwachsener - macht man sich vermutlich lächerlich, wenn man als Zweierpaket auf ein weibliches Zweierpaket zugeht und zum Schiebertanzen im elterlichen Wohnzimmer einlädt, weil man gerade sturmfrei hat.
Idee! Man könnte seine Teeniezeit einfach neu aufwärmen wie damals die 50s. Und die nervigen Dinge wie z.B. bei den Eltern wohnen oder kein Geld haben, wird mal direkt gestrichen.

22.7.10 19:53, kommentieren

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Liebestests im Keller

Die 90er Jahre haben etwas mit den 70er Jahren zu tun. Kein Wunder, dass Ende der 90er das große Disco-Revival kam. Bereits 1997 trat z.B. Ilja Richter auf Disco-Revival-Partys auf. Und noch vor 2000 kam die Disco-House-Ära, in der immer wieder Disco-Knüller neu produziert oder remixed wurden.
Die 90er wurden erst recht zu den 70er Jahren, wenn man einen großen Teil davon mit seinen Freunden in einem Keller verbracht hat, eigentlich ziemlich so wie die Leute aus der That 70s Show. Einige Dinge waren dann vielleicht doch anders und nicht jeder Dialog hatte eine Pointe, über die man lachen konnte, aber sonst ...

Was man da gerne trieb, das waren Liebestests aller Art. Da man sowieso immer wieder mal zu den Karten griff, um einander das Geld aus der Tasche zu ziehen, vor allem mit Neunerln, konnte man die Karten zu auch gleich Schicksalsdingen befragen.
Doch es blieb nicht bei den Karten.
Da kamen Dinge heraus wie: "Wenn jetzt das dritte Ei in Folge Mädchen-Spielzeug enthält, dann liebt sie mich."
oder:
"Wenn ich nun zum fünften mal einen Pasch würfle, dann ..."
So richtig Internet gab es damals noch nicht, auch wenn man in der Uni schon ins Anfangsstadium-Internet gehen konnte. Viel war da aber noch nicht zu finden.
Gut gebrauchen können hätte man einen Online-Test wie diesen hier: Liebestest

Doch damals war man noch nicht soweit. Da blieb einem höchstens übrig, den Windows-PC anzumachen und zu schauen, wie Solitär ausgeht, zumindest wenn man es unbedingt digital wollte. Es wurde aber schon mal begonnen, eine Sonnenblume zu zupfen, nach dem Motto "liebt mich, liebt mich nicht".


Solche Tests wurden nur während der Woche oder vor dem Ausgehen betrieben. Sobald die Nacht aber fortgeschrittene Züge annahm, verwandelte sich dieser Keller tatsächlich in ein Freudenhaus oder eine Afterhour. Der Kondomautomat und das DJ-Pult wollten schließlich genutzt werden.

1 Kommentar 14.7.10 19:56, kommentieren

Meet you at the Loveparade

In den Neunzigern war die Loveparade noch in Berlin und ein riesiges Ding. Die einen sahen es als Pflichtprogramm an, da hinzufahren und in der Masse aufzugehen. Die anderen genossen das Herumlungern am See und stellten sich vor, wie unbequem es jetzt wäre, in der Hitze auf einem Wagen oder gar in der Menschenmenge festzustecken.

Wenn man nun aber seine Bequemlichkeit verbergen musste, weil unsexy wirkend auf besonders attraktive Disco-Fun-Girlies, da konnte es schon passieren, dass man mit jemandem plötzlich ein Date irgendwo in Berlin hatte, obwohl man selbst vielleicht gerade an einem See in der Nähe von Nürnberg, München oder Frankfurt planschte. Doch man musste den Schein waren. Klar bin ich aktiv und jeder ist dort, also ich auch, sowieso.
Das Blöde ist nur, wenn dieses Date nicht nur Smalltalk war, sondern das Gegenüber einen tatsächlich ernst nahm. Damit muss man mal rechnen!
Doch das Schöne an der (niemals in der Realität besuchten) Loveparade, man konnte sich eigentlich immer auf so etwas berufen wie Filmriss oder in der Menge festgesteckt.
Dass es einen nicht gerade unattraktiver macht, wenn man heißes Girlie trotz ausgemachtem "Date" versetzt, egal ob es mitten in Berlin, also einer fremden Stadt ist, kann man sich denken. Auch wenn die gezeigte kalte Schulter nicht echt ist und nur Ergebnis einer Kombination aus Bequemlichkeit und vermeintlicher Small-Talk-Erfahrung. Letztere gibt ein Gespür dafür, ob ein Date nur Gefasel war oder tatsächlich bindend. Ach, die guten alten Zeiten, als man nicht zur Loveparade gehen musste, sondern stattdessen an einem See relaxen durfte und sich trotzdem vorkam wie ein Star-DJ. Und das, ohne jemals selbst aufgelegt zu haben.

1 Kommentar 12.7.10 20:11, kommentieren

Klassische Schieberparty mit Flaschendrehen

Was man immer wieder versucht hat, war das gute alte gemeinsame Schiebertanzen neu aufzuwärmen. So wie es wahrscheinlich Ende der 70er und Anfang der 80er von den damaligen Schulkids ausgeübt wurde. Wie Sophie Marceau in La Boum.
War aber nicht leicht, so etwas aufzuziehen, weil extrem altmodisch. Die Leute ließen sich eher für all diese neumodischen Dinge begeistern wie Housefeste, Promipartys und so ziemlich alles andere ohne Tuchfühlung.
Und wenn man dann mit Flaschendrehen kam, hat das auch nur im engeren Kreis geklappt. Doch da war es eben weniger interessant als mit neuen Leuten.

Und heute! Heute ist alles so Nightlife-Casual, dass man sich wie in einer Kommunikationsagentur vorkommt.

24.6.10 20:04, kommentieren

Tarotkarten und Liebe

Wenn man auf der Suche nach Liebesabenteuern ist, kann eine Tarot-Tageskarte (bzw. Abendkarte) wirklich Tipps geben. Das habe ich noch vor einiger Zeit so ausgeführt. Immer vor dem Ausgehen wurde eine Karte gezogen, die gezeigt hat, was an dem aktuellen Abend laufen wird.
Wenn dann so etwas wie "Der Eremit" oder "Der Hohepriester" kam, war das nie ein gutes Omen. Das waren dann meist schräge Abstürze ohne Flirten oder gar mehr. Erst recht bei karten wie "Niederlage" oder "Quälerei".
Karten wie "3 Kelche", "Lust" oder "Die Liebenden" konnte man als gutes Omen sehen.

Die bessere Alternative ist aber zwei Karten zu ziehen:
Karte 1 zeigt wie gehabt, wie der Abend wird.
Karte 2 zeigt, was man tun kann, um zu einem guten Flirt (und mehr) zu kommen.

Das ist viel besser und entspricht eher dem Geist der Tarotkarten. Denn die geben einem eher das Wissen, Dinge selbst in die Hand zu nehmen, als sich passiv seinem unvermeidlichen Schicksal zu stellen.

1 Kommentar 24.6.10 19:53, kommentieren

Ein verpfuschter Standardaufreißabend

Es war irgendwann in den letzten Dekaden, als der verpfuschte Standardaufreißabend wie eine Seuche zur regelrechten Plage wurde.
Der konnte und kann auch heute noch ungefähr so aussehen:

Du und noch ein paar andere Kumpels wollen Mädels kennenlernen. Was gibt es da Besseres als der Besuch von Diskotheken und Partyhallen? Meist ist es so, dass der gesamte Laden nur darauf wartet, dass sich endlich eine Männergruppe erbarmt, auf Frauensuche zu gehen. Man ist praktisch die Rarität im Standardnachtleben.

Erst wird in einer Bar oder einem nächtlichen Café gestartet. Um die Stimmung anzuheizen, werden zum Essen am besten irgendwelche süßen Cocktails getrunken. Natürlich stiert man automatisch auf alles, was weiblich aussieht und den Standarderwartungen einigermaßen entgegenkommt. So allmählich hat man einen in der Krone, was vielleicht bei dem Einen oder Anderen den Mut aufkommen lässt, Kontakt aufzunehmen. Aber noch ist kein Zwang da. Der Abend ist bis Mitternacht noch recht jung und das Highlight kommt sowieso später in der Disse.

Die Musik in der Diskohalle ist laut. Man steht als geschlossene Gruppe herum, so wie ein Großteil der anderen Besucher. Nur die Blicke verraten, dass man die Jungengruppe gerne erweitern möchte, am besten um eine ganze Mädchengruppe, so wie im Sommer auf den Kanaren. Doch inzwischen ist es fast Winter und in der Heimat. Viele Leute stecken sowieso schon in jahrelangen Beziehungen und neigen bei solchem Schneeregen eher zum Video unter der Bettdecke. Doch es soll auch noch immer wieder Singlefrauen geben.

Irgendwann hat man mächtig einen in der Krone. Es kommen Gespräche zustande, doch halten sie nicht lange. Man hat sich nur wenig zu sagen. Auch untereinander. Denn die benebelten Gedanken drehen sich um Kontaktaufnahmen. Einige scheinen das aber zu vergessen und geben sich (etwas künstlich - oder auch völlig ekstatisch) der Party hin. Der eine oder andere holt sich vielleicht sogar eine Telefonnummer, allerdings nicht besonders aussichtsreiche.

Anderen Männergruppen geht es ähnlich. An ihren Gesichtern und ihrem Verhalten ist ebenso der verpfuschte Standardaufreißabend zu erkennen. Der wirkt wie eine Seuche, den das andere Geschlecht regelrecht wittert. Da kann man sich gleich die Mönchskutte anziehen.

Mittel gegen den Standardtrott:
- Gute Sachen shoppen
- Kommunikative Erfolgserlebnisse seien sie noch so klein
- Ausgehpause und Reformieren
- Auf bessere Zeiten warten, denn ein negativer Standard kann sich auch in einen positiven verwandeln

14.6.10 20:23, kommentieren

Liebesmemoire Neu-an-der-Uni

Ich war noch sehr jung und lebte bei meinen Eltern. Das war im zweiten Semester, da war ich ungefähr 25. Die Schule war so wunderbar, dass ich es dort lange aushielt. Aber irgendwann wollte mich keine Schule mehr, also musste ich meine Dates an der Uni suchen. Das stellte sich als viel schwerer heraus. Also versuchte ich es zum Einstieg mit etwas Leichterem, wie ich damals dachte, und verabredete mich mit einer völlig mittelmäßig aussehenden Prolotussy, die irgendwo Sachbearbeiterin war, deren Nummer ich aber auf einer Unifeier bekam, zu der sie eine Freundin mitschleppte. Die Freundin sah eigentlich besser aus, wurde aber von einem routinierten Aufreißertypen belagert, also keine Chance gegen so was.

Am Anfang des Dates fiel mir auf, wie öde sie angezogen war. So ganz und gar nicht auf "lass uns so schnell wie möglich die Formsache beenden und Spaß haben". Ich trank Wein, sie Pfefferminztee. Ich bestellte meinen Zweiten, ehe sie bis drei zählen konnte. Ich schwärmte von Party, sie von gar nichts. Das waren nicht die besten Voraussetzungen.

Später war ich knülle von Strawberry Daiquiri aus der Dienstags-Happy-Hour beim Mexikaner, sie ließ sich dazu überreden, einen mitzutrinken, brachte ihn aber nur zur Hälfte runter, weil er zu süß war, wie sie meinte. Und weil sie morgen früh raus musste. In die Dingsbumsbar, wo am Dienstag viel los ist, wollte sie auch nicht mit. Und da musste sie schon nach Hause.

Unter den Umständen ging ich noch in die Bar, wo ich auf eine Entschädigung in Form einer angetrunkenen Freudenmaus hoffte. Die Bar hatte aber nur jagdfiebrige Typen zu bieten, die alles spärliche Material zu zehnt bebaggerten. Sonst war dieser Laden eigentlich nicht so mies.

Weder angetrunken noch nüchtern ging ich nach einem enttäuschenden Abend dann heim. Im Bett drehte sich alles und ich wollte eigentlich lieber eine Freundin als dieses blöde Aufreißdaten. Aber ich wohnte noch bei Eltern.

Das war mein erstes Date an der Uni. Und es war sogar noch viel depressiver, als es sich jetzt anhört.

1 Kommentar 7.6.10 20:39, kommentieren



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